Schlagwörter

, , ,

In meinem Kinderbuch „Reset … und Neustart“ habe ich mir Gedanken um die Schule als Institution in der Zukunft gemacht. Ich habe mir überlegt, wie die Kinder in der digitalisierten Welt lernen. Schule, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, wie nah diese Zukunft schon ist.

In (m)einer Zukunft gibt es dann keine Bücher mehr, weil das Wissen im Netz gespeichert ist. Die Kinder erlernen nicht mehr die Schrift, da man sie nicht braucht. Es gibt Spracherkennungsprogramme, Chatprogramme, Lernplattformen…

Auf der Didacta gab es eine Diskussionsrunde mit kleinem Workshop zum Thema „Schreibschrift erlernen“. Zunächst wurde durchaus kontrovers diskutiert, inwieweit das Erlernen einer Schreibschrift im heutigen medialen Zeitalter überhaupt noch nötig ist.

Nun habe auch ich nicht unbedingt die schönste Handschrift und erinnere mich noch an die Mühe, die mir das Erlernen dieser machte. Ehrlich gesagt, flog da sogar einmal der Füllhalter durch die Klasse, weil in „Schönschrift“ (ein längst vergessenes Unterrichtsfach) trotz aller Mühen ein dicker Klecks auf der Heftseite das Geschriebene zunichte machte. Später habe ich mich in Studium und Arbeit auch mit meiner Schrift gequält, wenn ich die Ergebnisse meiner Mühen kaum selbst entziffern konnte. Schnell entwickelte ich ein System von Abkürzungen, um meine Mitschriften effektiver zu gestalten. Ich habe es dann sehr positiv empfunden, als ich erste Computerseiten mit Tastatur festhalten konnte. Mit zunehmendem Nutzen dieses  Mediums wurde meine Schrift jedoch nicht besser, was ich jetzt schon ehrlich zugeben muss. Natürlich kann ich als Grundschullehrer durchaus die „Normschrift“ an die Tafel bringen aber das Schreiben im Alltag ist schon nicht mehr so schön anzusehen.

Warum sollen sich dann kommende Generationen mit dem Schreiben mühen, wenn es jetzt diese tollen Tastaturen oder später Spracherkennung im Alltag gibt?

Einfache Antwort:

img_1775Es geht um ein Persönlichkeitsmerkmal. Es geht um die Entwicklung von Individualität, wie die Handschrift es ist. Es geht um Chancen. Es geht um die Entwicklung und Schulung von Feinmotorik, die später auch im Berufsleben eine Rolle spielen kann. Es geht um Erfahrungen. Es geht auch um ästhetisches Empfinden. Es geht um die Entwicklung von Ausdauer, Geduld.

Diese Liste ließe sich weiterführen.

Also, mein Fazit, entgegen der Meinung der Rahmenpläne in einigen Bundesländern, die Schreibschrift muss Inhalt des Lehren und Lernens in der Schule bleiben.

Ja, und dann ging es ans Ausprobieren. Wir simulierten das Schreibenlernen mit einer vollen Wasserflasche und Handschuhen. So ähnlich erleben es die Schulanfänger, wenn sie die Stifte bändigen sollen. Probiert das mal aus: Es gab viel zu lachen. Aber es bachte die Erinnerung an die eigenen Mühen wieder und schuf erneutes Verständnis, wenn es nicht gleich klappen will.

Dass sich die Mühe mit der Schreibschrift lohnt, habe ich wieder einmal ins Gedächtnis gerufen bekommen.