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Die neue Besoldungsverordnung des Landes Brandenburg für Lehrer hat mich zu folgendem Märchen inspiriert

Ein neues Märchen vom kleinen und dem großen Klaus

Es waren einmal zwei Brüder. Beide erlernten den Beruf des Baumschullehrers. Der kleine Klaus wurde Meister für kleine Bäumchen. Voller Liebe widmete er sich dem Pflanzen und  Pflegen der kleinen Setzlinge. Dem großen Klaus gelang es besser mit den großen, schon etwas gewachsenen Bäumen umzugehen.

Beide arbeiteten für einen Baumschulminister. Der kleine Klaus pflegte 4 Jahre die jungen kleinen Bäumchen in der Grundbaumschule. Er  gab ihnen die besten Voraussetzungen, um einmal große starke Bäume zu werden. Nach den 4 Jahren kamen die Bäume zum großen Klaus in eine Oberbaumschule, wo sie 6 Jahre gepflegt und gehegt wurden, bis sie selbstständig ihren Platz im Leben finden konnten.

Der kleine und der große Klaus verdienten natürlich ihr Geld mit der Arbeit. Da der große Klaus die großen Bäume hegte, bekam er etwas mehr als der kleine Klaus. Aber beide liebten ihre Arbeit sehr und waren zufrieden.

Eines Tages kam ein neuer Baumschulminister, der die Baumschulen übernahm. Er machte alles anders. Von nun an blieben die Bäumchen nicht mehr 4 sondern 6 Jahre in der Grundbaumschule. Erst dann  gingen sie für 4 Jahre in die Oberbaumschule. „Wie soll ich diese Arbeit schaffen?“, fragte der kleine Klaus. „Kein Problem“, antwortete der neue Baumschulminister, der sehr weise war, „der große Klaus kommt zu dir in die Grundbaumschule und zusammen pflegt ihr die Bäumchen 6 Jahre lang. Und weil ich eure Arbeit schätze, bekommt der große Klaus ab sofort 2 Goldtaler und du bekommst 1.“

Der kleine Klaus dachte darüber gar nicht weiter nach. Er freute sich mit dem großen Klaus zusammen zu arbeiten. So pflanzte der kleine Klaus weiter seine Bäumchen, pflegte die Setzlinge und freute sich 4 Jahre an seiner Arbeit. Der große Klaus übernahm dann die Bäume und pflegte sie die restlichen 2 Jahre, bis sie in die Oberbaumschule kamen. Mit der Zeit  lernte der kleine Klaus den Umgang mit den großen Bäumchen. Da er mit den kleinen zarten Setzlingen umgehen konnte, gelang ihm auch das Schneiden und Stutzen der großen. Der große Klaus aber half seinem Bruder nicht beim Einpflanzen. „Ich habe gelernt, wie man mit den größeren Bäumen umgeht. Die kleinen Bäumchen sind mir noch zu zart und zerbrechlich.“  So kam es, dass im Verlauf der Zeit der kleine Klaus sich um alle Bäumchen 6 Jahre lang kümmerte. Der große Klaus wagte sich langsam, sehr langsam auch an Bäumchen, die 3 oder 4 Jahre alt waren. Aber einpflanzen wollte er sie nie.

So lebten beide viele Jahre in Eintracht miteinander. Ab und zu kam dem kleinen Klaus der Gedanke, dass es doch ungerecht sei, dass er immer noch nur einen Goldtaler, sein Bruder aber 2 Goldtaler bekam. Aber der weise Baumschulenminister sagte dann: „Ich habe kein Geld. Ich kann dir nicht mehr Taler geben. Dein Bruder hat gelernt, mit den großen Bäumen umzugehen. Er bekommt darum einen Taler mehr.“

Mit der Zeit baute der Baumschulminister seine Baumschulen aus. Immer mehr Bäume sollten eingepflanzt und gepflegt werden. Der kleine und der große Klaus arbeiteten Tag und Nacht aber die Arbeit war nicht mehr zu schaffen. Da hatte der Baumschulminister eine großartige Idee: „Ich stelle neue Baumschullehrer ein.“ Aber keiner im Lande wollte diese schwere Arbeit machen. Aber auch hierfür fand sich schnell eine Lösung: „Jeder neu Baumschullehrer, der aus der Oberbaumschule in die Grundbaumschule kommt, erhält ab sofort 3 Goldtaler. Und weil es sonst ungerecht ist, bekommt der große Klaus auch einen Goldtaler mehr.“ Da hörte der kleine Klaus auf: „Warum bekommen die neuen Baumschullehrer der Oberbaumschule und der große Klaus 3 Goldtaler und ich nur einen? Wir machen doch die gleiche Arbeit und ich bin doch der einzige, der die kleinen Bäumchen einpflanzt und die erste Zeit pflegt. Ich habe Erfahrung und weiß, wie man mit den kleinen zarten Setzlingen umgeht.“ Aber auch darauf hatte der Baumschulminister eine Antwort: „Du, kleiner Klaus, für dich reicht mein Geld nicht. Es kostet mich schon so viel Geld, den anderen 3 Goldtaler zu geben.“

Und so arbeitet der kleine Klaus noch heute eifrig für einen Goldtaler, während die anderen Baumschullehrer 3 Goldtaler erhalten. Und wenn sie nicht gestorben sind, …

Dazu einige Fakten:

  • Lehrer mit einer Ausbildung für die Sekundarstufe 1 erhalten ab 1.08.2017 auch in der Grundschule in Brandenburg die Besoldungsstufe A 13
    • d. h. auch Lehrer mit der Fächerkombination Staatsbürgerkunde oder Russisch oder einem Fach, das nicht in der Grundschule benötigt wird, erhalten diese.
  • Lehrer mit einer Ausbildung nur für die Primarstufe bleiben in ihren Besoldungsstufen A11 oder A12
    • d. h. Lehrer, die für die Schulform Grundschule die fachlichen Voraussetzungen erworben haben, bekommen für die gleiche Arbeit 1 bzw. 2 Gehaltstufen weniger.
  • Im von der SPD und CDU regierten Mecklenburg- Vorpommern und im von einem Linken regierten Thüringen wurde die Ungerechtigkeit der Besoldung der ehemaligen Unterstufenlehrer bereits erkannt und behoben. Dort erhalten alle Lehrer der Primarstufe die A12.

Warum ist das nicht im SPD regierten Brandenburg möglich? Warum werden hier diese Lehrer immer wieder vertröstet? Warum ist das Geld für die Aufstockung der Lehrer mit Ausbildung in der Sekundarstufe 1 da, jedoch nicht für eine Angleichung von A11 auf A12? (Eine Angleichung der betreffenden Lehrer von A11 in A12 wäre erheblich kostengünstiger als der Lehrer von A12 in die A13)

Welches Signal wird damit gesetzt?

  • Quereinsteiger und für die Grundschule nicht ausgebildete Lehrer werden finanziell in die Grundschulen gelockt. Lehrer, die didaktische und methodische Fähigkeiten durch ein Studium in der Primarstufe erworben haben, werden bei gleicher Tätigkeit schlechter gestellt und haben wenig Motivation im Land .Brandenburg in der Grundschule zu arbeiten.

Provokant gesagt: Grundschule kann jeder

Wer soll in den kommenden Jahren die Kinder einschulen und ihnen methodisch und didaktisch fundiert das Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen?